Sprüche 8:22.24

  • Viel Segen beim Hauskreis ! Ich würde die beiden Stellen, falls Ihr sie auf den Herrn Jesus hin auslegen wollt, nicht zu überstrapazieren bzw. metaphorische Aussagen im beabsichtigten Sinne verstehen. Klar ist jeweils: die Weisheit Gottes war von Anfang an beim Herrn ("besaß mich im Anfang seines Weges"), und sie war vor Erschaffung der Welt bereits vorhanden. Ganz falsch wäre aus meiner Sicht, dass man die Aussage der Existenz ab einer quasi Geburt verwechselt, etwa "die Weisheit war irgendwann nicht bei Gott vorhanden, dann kam sie im Rahmen einer Geburt dazu". Irgendwo bei Reformierten habe ich gelesen, dass der Sohn Gottes in der vorweltlichen Ewigkeit irgendwann einmal gezeugt, hervorgebracht bzw. in Existenz kam. Wenn man diese falsche Sicht mit Spr. 8 belegen will, ist man sicher auf dem Holzweg. Das sagt der [lexicon]Text[/lexicon] gar nicht aus. Wie gesagt, man sollte schon ein Händchen haben, poetische Texte im beabsichtigten Sinne zu verstehen.
    Völlig klar ist: der Herr Jesus hatte nie einen Anfang, er war von Anfang an als ewiger Gott da. Das nur, falls man Spr. 8 auf den Herrn Jesus hin auslegen will, was gut möglich ist, aber man muss auch ein bisschen aufpassen, was man sagt.
    Dein
    Peter
  • Hallo Oliver,

    zur ersten Stelle würde ich schon sagen, dass "besitzen" gut getroffen ist. Das Wort kann auch erwerben etc. bedeuten, aber hier spricht ja die Weisheit in Person und die hat Gott ja nicht erst irgendwoher bekommen, sonst müssten wir einen Zustand des Nichthabens annehmen, was sicher falsch ist, sonst hätte Gott einen Höherentwicklungsprozess vollzogen. So ein Konzept gibt es nur in der weltlichen Philosophie.

    Der zweite Vers (24) spricht vom Hervorgekommen sein. Das war bereits vor der Schöpfung gegeben. Auch hier würde ich ausschließen, dass es einen Zustand davor gab, wo die Weisheit nicht da war. Zumindest zeigt sie sich in der Schöpfung und wird da schon als vorhanden vorausgesetzt. Die Auswirkung der göttlichen Weisheit sieht man deutlich in den nächsten Versen, wo sie beim Schöpfungsakt aktiv war. Davor wird gesagt, dass sie schon davor da war. Das Bild der Geburt ist metaphorisch, es geht nicht um eine Mutter, die ein Kind zur Welt bringt, im konkreten Sinne.

    Oder spricht da etwas dagegen?
    P.
  • Sprüche 8:22.24

    Könnten wir uns die beiden obigen Verse mal genauer ansehen, dabei geht es mir in erster Linie um die Deutung in Bezug auf Hierarchie ("besaß") und Erschaffung ("geboren").
    • יְֽהוָ֗ה קָ֭נָנִי רֵאשִׁ֣ית דַּרְכּ֑וֹ קֶ֖דֶם מִפְעָלָ֣יו מֵאָֽז׃
    • Der HERR besaß mich im Anfang seines Weges, vor seinen Werken von jeher.
    • בְּאֵין־תְּהֹמ֥וֹת חוֹלָ֑לְתִּי בְּאֵ֥ין מַ֜עְיָנ֗וֹת נִכְבַּדֵּי־מָֽיִם׃
    • Ich war geboren, als die Tiefen noch nicht waren, als noch keine Quellen waren, reich an Wasser.