1.Timotheus 3:16 (hos/theos)

  • Lieber Oliver,
    mehr habe ich nicht gefunden in den "Kirchenvätern".
    Manfred

    Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)72. Vortrag3."Und größere als diese wird er tun". "Als diese". Welche? bitte ich. Tut denn etwa derjenige größere Werke, als alle Werke Christi sind, der "mit Furcht und Zittern sein Heil wirkt"1 , was übrigens Christus in ihm, aber nicht ohne ihn wirkt? Ja in der Tat, ich möchte dieses Werk größer nennen, als der Himmel und die Erde ist, und was immer im Himmel und auf Erden zu sehen ist. Denn Himmel und Erde werden vergehen2 ; das Heil und die Rechtfertigung der Vorherbestimmten aber, d.i. derjenigen, die er vorherweiß, wird bleiben. In jenen treten uns nur Werke Gottes entgegen, in diesen aber das Bild Gottes. Aber auch im Himmel sind die Throne, Herrschaften, Fürstentümer, Mächte, Erzengel und Engel Werke Christi; vollbringt nun etwa derjenige, welcher unter der Tätigkeit Christi in seiner Seele seine ewige Seligkeit und Rechtfertigung berwirkt, größere Werke als diese? Ich wage hier nicht voreilig ein Urteil auszusprechen; verstehe es, wer kann, urteile, wer kann, ob es ein größeres Werk sei, Gerechte zu schaffen als Gottlose zu rechtfertigen. Denn wenn auch beides gleiche Macht offenbart, so doch auf jeden Fall dieses größere Erbarmung. Denn "dies ist das große Geheimnis der Gottselig¬keit, das geoffenbart ist im Fleische, gerechtfertigt im Geiste, erschienen den Engeln, gepredigt unter den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in Herrlichkeit"3 . Aber alle Werke Christi zu verstehen, wo er sagt: "Größere als diese wird er tun", zwingt uns keine Notwendigkeit. Denn "als diese" verstand er vielleicht so, daß er die Werke meinte, welche er in jener Stunde tat; damals aber wirkte er Worte des Glaubens, und von diesen Werken hatte er früher gesprochen, da er sagte: "Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst; der Vater aber, der in mir bleibt, der tut die Werke". Damals also waren seine Worte seine Werke. Und gewiß ist es weniger, Worte der Gerechtigkeit zu predigen, was er ohne uns getan hat, als die Gottlosen zu recht¬fertigen, was er so in uns tut, daß es auch wir tun. Es bleibt noch zu untersuchen übrig, wie zu verstehen sei: "Um was ihr immer in meinem Namen bitten werdet, ich werde es tun". Denn wegen der vielen Dinge, welche seine Gläubigen erbitten und nicht erlangen, erhebt sich hieraus eine nicht kleine Frage, allein da diese Rede nunmehr zu beendigen ist, so möge zu ihrer Erwägung und Behandlung wenigstens ein kleiner Aufschub gewährt werden.1: Phil 2,122: Mt 24,353: 1 Tim 3,16

    Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)Elftes Buch9. Die Menschwerdung ist ein großes Geheimnis.Zwar ist jede Schmähung verwerflich, weil sie als Falschheit der Wahrheit widerspricht, wenn die Scham ihren Halt schon durchbrochen hat; dennoch schützt sie bisweilen eine Hülle von mehrdeutiger Entschuldigung vor, um züchtig in der Verteidigung [durch die Worte] sein zu lassen, was schamlos im Sinn ist.In dem aber, was in falschgläubiger Weise zur Schmälerung der Göttlichkeit unseres Herrn vorgebracht wird, ist jetzt jede Möglichkeit zu Scheu und falscher Entschuldigung beseitigt. Denn mit dem Aufhören eben jener Entschuldigung des Nichtwissens wird allein schon der Wille zu ungläubiger Einsicht bloßgelegt. Um nämlich auf ein ganz weniges die ausführliche Darlegung jenes Evangelienwortes zu verschieben [frage ich nur]: War etwa diese Lehre des Apostelwortes unbekannt: „Und es ist nach dem Bekenntnis aller ein großes Geheimnis des Glaubens, das offenbar wurde im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, sichtbar für die Engel, den Heiden verkündet, im Glauben angenommen in dieser Weit, aufgenommen in Herrlichkeit”?1 Ist immer noch jemand von so schwacher Einsicht, daß er die Fügung der Fleischesannahme durch den Herrn für etwas anderes ansieht als ein Geheimnis [rechten] Glaubens?Und zunächst befindet sich außerhalb des Glaubens an Gott, wer sich außerhalb dieses Bekenntnisses befindet. Der Apostel ist nämlich in gar keinem Zweifel darüber, daß dies von allen insgesamt bekannt werden müsse, das Geheimnis unseres Heiles sei keine Schmähung für die Gottheit, sondern eines großen Glaubens Geheimnis. Dies[es Glaubensgeheimnis] sei also kein Zwang, sondern Gottesfurcht; keine Schwachheit, sondern eben eines großen Glaubens Geheimnis; und das Geheimnis sei nicht mehr in Verstecktheit verborgen, sondern im Fleische offenbar; es sei dazu auch nicht schwach vermöge des Wesens des Fleisches, sondern im Geist gerechtfertigt. Vermöge der Rechtfertigung durch den Geist sollte unserem Glauben die [vorgebliche] Schwachheit des Fleisches fern sein, und vermöge der Offenbarung des Fleisches sollte das Geheimnis nicht verborgen bleiben; und vermöge des Grundes des Geheimnisses, den man nicht wissen kann, sollte allein das Bekenntnis eines großen Glaubens im Geheimnis bestehen.Auf diese Weise hat der Apostel die Ordnung des ganzen Glaubens festgehalten, daß zugleich mit [rechtem] Glauben das Geheimnis bestehe, daß zugleich mit dem Geheimnis die Erkenntnis im Fleisch vorhanden sei, daß zugleich mit der Erkenntnis im Fleisch die Rechtfertigung im Geist gelte. Denn das Geheimnis [rechten] Glaubens, das im Fleisch offenbar wird, empfängt seine Offenbarung im Fleisch durch die Rechtfertigung des Geistes, um in Wahrheit Geheimnis zu sein. Damit von jener Offenbarung im Fleisch keine Unkenntnis bestünde, was für eine Rechtfertigung im Geist sie sei, deswegen wurde das Geheimnis, das im Fleisch offenbar wurde und im Geist gerechtfertigt und den Engeln sichtbar und den Heiden verkündet und dem in dieser Welt Glauben geschenkt wurde - deswegen ist eben dieses [Geheimnis] in Herrlichkeit aufgenommen worden. In allen eben sollte das Geheimnis des großen Glaubens vorhanden sein, wofern es im Fleisch geoffenbart, im Geist gerechtfertigt, von den Engeln erblickt, den Heiden verkündet und es in dieser Welt geglaubt, es in Herrlichkeit aufgenommen wird. Denn dem Sehen folgt die Verkündigung, der Verkündigung der Glaube, und alles bringt zur Vollendung die Aufnahme in Herrlichkeit. Denn einerseits ist die Erhebung zur Herrlichkeit ein Geheimnis großen Glaubens, und anderseits werden wir durch den Glauben an diese Fügung darauf vorbereitet, in Gleichgestalt mit der Herrlichkeit des Herrn aufgenommen zu werden.Eines großen Glaubens Geheimnis ist also die Annahme des Fleisches, da durch die Annahme des Fleisches die Offenbarung des Geheimnisses im Fleische stattfindet. Dennoch aber ist die Offenbarung im Fleisch als nichts anderes denn als ein Geheimnis großen Glaubens zu bekennen, weil seine Offenbarung im Fleisch sowohl Rechtfertigung des Geistes als Annahme der Herrlichkeit ist. Mit welcher Aussicht endlich besteht in unserem Glauben das Geheimnis rechtgläubiger Heilsfügung als Schwächlichkeit der Gottheit, da es doch wegen der Annahme der Herrlichkeit ein Geheimnis großen Glaubens zu bekennen gilt?2Weil es nunmehr keine Schwachheit gibt, sondern ein Geheimnis, keinen Zwang, sondern rechten Glauben: so geht es jetzt darum, nach dem Sinn des Evangelienwortes zu fragen, damit nicht als Anlaß zu falschgläubiger Lehre bestehen bleibe, was Geheimnis unseres Heiles und unserer Herrlichkeit ist.1: 1 Tim 3,16

    Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)Elftes Buch20. Inwiefern wir mit Christus Gemeinschaft besitzen.Niemand also möge das Geheimnis des großen Glaubens, das im Fleisch offenbart wurde,1 in falschgläubigem Sinn verletzen und niemand dem Eingeborenen vermöge des Wesens der Gottheit sich gleichstellen! Bruder soll jener uns sein und Gefährte, sofern das fleischgewordene Wort unter uns gewohnt hat,2 sofern der Mensch Jesus Christus Mittler Gottes und der Menschen ist.3 Gemeinsam soll uns sein der Vater und gemeinsam auch Gott,4 sofern wir Knechte sind; und vor den Gefährten soll er in demjenigen Wesen gesalbt sein, in dem die Gefährten gesalbt werden,5 er freilich mit Vorrecht gesalbt. In dem Geheimnis des Mittlers soll er sein Dasein haben, wie als wahrer Mensch, so als wahrer Gott, selbst Gott aus Gott, mit uns in gemeinsamem Besitz des Vaters und Gottes, in derjenigen Gemeinschaft, durch die er [unser] Bruder ist.1: vgl. 1 Tim 3,16

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  • Lieber Ulrich,

    ja, Peter schrieb dazu:

    PStreitenberger schrieb:

    also wörtlich müsste man die Version von Nestle-Aland so verdeutschen: "Anerkannt groß ist das Geheimnis der Gottseligkeit, der im Fleisch geoffenbart ist". Manfred, hOS ist maskulin und kann daher kein Bezug zur [lexicon]Versammlung[/lexicon] (feminin) sein, das ist ganz und gar ausgeschlossen. Auf Geheimnis kann sich das Relativpronomen auch nicht beziehen, da Geheimnis Neutrum ist, keine Form im Maskulin, wie durch hOS erforderlich. Fazit: es gibt gar kein Bezugswort, auf das sich hOS (der) beziehen kann. Dazu müsste man Geheimnis personifizieren und dann als Person sehen, was aber nie gemacht wurde und ohne Beispiel ist. Bei Paulus wird das nur bei Neutra gemacht, die Personen sind (EQNOS, Volk), wenn da auf Personen Bezug genommen wird, kann das Genus wechseln (also von Neutrum auf Maskulin). Das geht hier aber überhaupt nicht, daher: es gibt kein Bezugswort, daher ist der Satz, wie er in Nestle-Aland steht falsches Griechisch, das könnte dir auch mein griechischer Freund aus München bestätigen, der mir am Telefon gesagt hat: "Nix richtig Griechis". Die einzige Lösung der NA-Freunde: Paulus würde hier einen Christus Hymnus zitieren, also, das zeigt eher, dass "der" nicht zu begründen ist, weil Paulus so niemals Zitate einführt. Auch ginge der Zusammenhang und der Sinn kaputt, was bei Paulus niemals der Fall ist. Des Rätsels Lösung: die Macher von WH und NA halten die Schrift nicht für inspiriert, daher können auch Fehler drin sein. Aus meiner Sicht eine k.o. Argument.


    Mir ging es nur um eine ganzheitliche Bewertung, wie es also grammatikalisch, historisch (Kirchenväter) und in Bezug auf den Grundtext zu sehen ist; und da wäre ein Statement von Peter mithilfe vol TLG/T&T hilfreich.

    Herzliche Grüße,
    Oliver
  • Lieber Oliver,

    viele Griechischkenner behaupten, dass "ER" überhaupt nicht zu der Grammatik passt, die man in 1. Tim. antrifft. Die einzelnen inspirierten Schreiber haben durchaus unterschiedliches Griechischniveau gehabt, aber plötzlich "ER" statt "Gott" in 1. Tim. 3,16 erscheint vielen sehr unwahrscheinlich.

    Aber eben nicht allen, darum die unterschiedlichen Übersetzungen.

    herzliche Grüße

    Ulrich
  • Lieber Oliver,
    ich habe die Bibliothek der Kirchenväter angefangen zu durchsuchen nach "Gott" in 1.Tim3, 16 habe aber nur das gefunden:
    Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über Den Rechten Glauben an den Kaiser (De recta fide ad imperatorem)

    7. Wollte jemand über eine jede dieser Lehren eine
    lange Untersuchung anstellen und eine erschöpfende Prüfung vornehmen, so
    würde er nicht geringe Zeit aufwenden müssen und lästigen und
    peinlichen Schweiß zu ertragen haben und doch nichts Ersprießliches
    zustande bringen. Wir wollen deshalb auf lange und breite
    Auseinandersetzungen verzichten und eine jede Lehre einer kleinen und
    kurzen Prüfung unterziehen. Und zuvörderst wollen wir den Doketen sagen:
    „Ihr irrt, weil ihr die Schriften nicht kennt",1noch auch „das große Geheimnis der Gottesfurcht", nämlich Christus, der geoffenbart worden im Fleische,
    gerechtfertigt durch den Geist, erschienen den Engeln, verkündet bei
    den Völ kern, geglaubt in der Welt, aufgenommen in Herrlichkeit".
    2Die
    Gegner aber müssen entweder den Alten ein Schandmal aufdrücken und die
    Lehrer des Erdkreises, denen Christus selbst gesagt hat: „Geht hin und
    lehret alle Völker“,
    3Lügner schelten, oder aber, wenn sie dies zu tun zurückschrecken, die rechte
    Lehre über Christus annehmen, den eigenen Torheiten Lebewohl sagen und
    sich fest an die heiligen Schriften halten, um den Pfad der Heiligen zu
    wandeln, der zur Wahrheit selbst führt.

  • 1.Timotheus 3:16 (hos/theos)

    Dieser Vers bestätigt inaltlich völlig Johannes 1,1 in Anlehnung an Johannes 1,14 und 1.Joj 5,20 Ich habe zar von Griechchjisch null Ahnung, aber ich kann das mit dem Wort belegen, dass der Herr Jesus Gott ist ...ohne jeden Zweifel.

    Im Anfang war das Wort , und das Wort war bei Gott , und das Wort war Gott .Joh 1,1

    Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns ( und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut , eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater ) voller Gnade und Wahrheit ;Joh 1,14

    Wir wissen aber , daß der Sohn Gottes gekommen ist und uns ein Verständnis gegeben hat, auf daß wir den Wahrhaftigen kennen ; und wir sind in dem Wahrhaftigen , in seinem Sohne Jesus Christus . Dieser ist der wahrhaftige Gott und [das]ewige Leben .1 Joh 5,20



    Ein Christ und Kenner der Schrift spricht von keiner Trinität, denn Gott ist einer, darum muss 1 Tim 3,16 zu keiner Trinitätsargumentation herangezogen werden.

    Herzlichst,
    Harald

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  • Lieber Peter,
    vielen Dank für die klare Aussage, nach der ich meine diesbzgl. Arbeit abändern werde.
    Was bin ich froh, euch gefunden zu haben! :)

    Manfred

    P.S.: Ich habe mal den Byz.Maj.2000 Text kopiert:

    16Καὶ ὁμολογουμένως μέγα ἐστὶν τὸ τῆς εὐσεβείας μυστήριον· θεὸς ἐφανερώθη ἐν
    σαρκί, ἐδικαιώθη ἐν πνεύματι, ὤφθη ἀγγέλοις, ἐκηρύχθη ἐν ἔθνεσιν,
    ἐπιστεύθη ἐν κόσμῳ, ἀνελήφθη ἐν δόξῃ.

    Und jetzt noch NA 28:

    16καὶ ὁμολογουμένως μέγα ἐστὶν τὸ τῆς εὐσεβείας μυστήριον·
    ὃς ἐφανερώθη ἐν σαρκί,ἐδικαιώθη ἐν πνεύματι,
    ὤφθη ἀγγέλοις,ἐκηρύχθη ἐν ἔθνεσιν,
    ἐπιστεύθη ἐν κόσμῳ,ἀνελήμφθη ἐν δόξῃ.






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  • Liebe Brüder,
    ich habe in meinem Grundtext NT diesen Vers wie folgt wiedergegeben und hoffe, ich liege nicht falsch:
    Der griech. Grundtext fängt den zweiten Teil von Vers 16 mit dem rückbezüglichen Fürwort hOS an. Normalerweise wird es mit "welcher" übersetzt.
    Deswegen haben viele Übersetzungen dort stehen: Gott oder Jesus geoffenbart im Fleisch. Da aber der vorige Text von der Gottesgemeinde handelt und weder Jesus noch Gott genannt werden, muß es rückbezüglich auf die Gemeinde angewendet werden.

    Da das Wort Gottesgemeinde weiblich ist, muß statt "welcher" mit "welche" übersetzt werden. Hier ist wahrscheinlich schon im Grundtext manipuliert worden, weil man es sich nicht vorstellen konnte, dass die Attribute, die zu Jesus gehören, gleichermaßen der Gemeinde gehören.

    Eine noch andere Variante: Das Gott geziemende und wohlgefällige Leben, also der Begriffsinhalt des überall als "Gottseligkeit" übersetzten Wortes "eusebia" gilt auch für den persönlichen Wandel vor Gott.

    Sehr wörtlich übersetzt: Und anerkannt groß ist das Geheimnis des Wohlehrens, die Wohne "oiko", die offenbart wird im Fleisch, gerechtfertigt wird im Geist, sichtbar gemacht wird den Engeln, geheroldet wird in den Heiden, zum Glauben anvertraut dem Kosmos, hinaufgenommen wird in Herrlichkeit.
  • 1.Timotheus 3:16 (hos/theos)

    Moin zusammen,

    ich erhielt vorhin einige Thesen mit der Bitte um Stellungnahme:

    Es wäre als sicher anzunehmen, dass der Text mit einem Wortlaut wie "Gott ist offenbart im Fleisch" in vorderster Reihe der Belegstellen für das Argument der Trinitarier angeführt worden wäre. Welch besseres Argument könnte man für diese Idee haben als einen Vers, der genau das aussagt? Interessanterweise aber wurde dieser Vers, wie sich aus den erhaltenen Dokumenten ergibt, anscheinend überhaupt nicht als Belegstelle für die trinitarische Position benutzt. Als sich die Kontroverse bzgl. der Person Jesu und der Christologien im 4. Jahrhundert n.Chr. entwickelte und die gegensätzlichen Positionen auf den Konzilien erwägt und verhandelt wurden, erwähnte niemand den Vers in 1. Timotheus 3,16 als Beleg dafür, dass Gott im Fleisch offenbart sei. Warum? Weil der Wortlaut "Gott ist offenbart im Fleisch" zu jener Zeit offensichtlich nicht in den vorhandenen Handschriften der Paulusbriefe zu finden war! Wäre dieser Wortlaut vorhanden gewesen, so hätte sicher jemand den Vers als Beweis für die "Menschwerdung" bzw. "Fleischwerdung Gottes" angeführt. Fakt ist, der Vers taucht nirgends in den erhaltenen Dokumenten der vielen Debatten auf und wurde ganz offensichtlich nicht als Argument benutzt, um zu zeigen, dass Christus gleich Gott sei. Die frühen Handschriften
    enthalten das Wort "Gott" nicht an der Stelle im Text, sondern vielmehr das Wort "der" bzw. "das" (welcher / welches). Der Wortlaut mit "Gott ist offenbart im Fleisch" taucht erst in Handschriften auf, die alle aus der Zeit nach den Konzilien mit den Entscheidungen bzg. der Einführung der Trinitätslehre stammen.

    Für diese Stelle finden sich drei Lesarten in den vorhandenen Handschriften: das Wort ho ("das, es, was, welches"), das Wort hos ("der, er, wer, welcher") und theos ("Gott"). Von den wichtigeren Handschriften enthalten der "Codex Sinaiticus", "Codex Alexandrinus" und der "Codex Ephraemi" den Wortlaut "Der [er] ist offenbart im Fleisch", der "Codex Claramontanus" und aramäische Peschitta, die koptischen, Äthiopischen, Sahidischen Handschriften enthalten "Das [es] ist offenbart im Fleisch". Auch die gotische Übersetzung hat "Das [es] ist offenbart im Fleisch". Wie bereits erwähnt, findet sich keinerlei Zitat dieses Verses in den Schriften der Kirchenväter aus der Zeit des Arianischen Streits. Die ersten zwei Lesarten finden sich in frühen Handschriften, und nun muss man schauen, ob sich anhand weiterer Überlegungen bestimmen lässt, welches der Wörter vermutlich das originale von Paulus benutzte Wort ist. Gelehrte und Forscher haben eigentlich eine recht gute Erklärung, wie es zu diesen Unterschieden gekommen sein kann. Schon recht früh wurde von den Abschreibern der Handschriften beim Anfertigen von Kopien routinemäßig eine zusammengezogene Form für das griechische Wort für "Gott" (theos) benutzt, auch als nomina sacra bezeichnet. Das griechische Wort für "Gott" ist das Wort qeoV bzw. QEOS. Das Kürzel dafür war dann entsprechend qV bzw. QS, wobei ein kleiner Strich über dem Kürzel angebracht wurde. Sehr oft verbleichten diese kleinen Unter- oder Durchstriche in den Abschriften.

    Zunächst muss festgestellt werden, dass „Lesarten" von „unterschiedlichen Übersetzungen" unterschieden werden müssen. So heißt es zum Beispiel in der „Überarbeiteten Elberfelder Übersetzung" in 1. Timotheus 3,16: „Er, der offenbart worden ist im Fleisch, ist gerechtfertigt im Geist…", während diese Stelle in der „Alten Elberfelder Übersetzung" lautete: „Gott ist geoffenbart worden im Fleische, gerechtfertigt im Geiste…". Der Unterschied beruht darauf, dass in den ältesten erhaltenen Handschriften das griechische Pronomen ός „er, der" oder „der, welcher" steht, spätere Handschriften dagegen das Substantiv θεός
    (abgekürzt geschrieben θς) „Gott" aufweisen. Es ist leicht einzusehen, dass hier entweder ein Lesefehler vorliegt, oder aber der Wunsch, diese wichtige Aussage klarer oder eindeutiger zu gestalten, und so aus dem unbestimmteren „der, welcher" das eindeutige „Gott" wurde. Im Griechischen brauchte dazu nur ein einziger Buchstabe geändert zu werden.

    Das Zeugnis der Hss spricht für sich: Alle frühen Hss (auch die byzantinischen!) lesen „welcher im Fleisch geoffenbart ist“; erst spätere Korrektoren machen daraus „Gott geoffenbart im Fleisch“. Sollten etwa alle frühen Hss verkehrt liegen, während alle späteren richtig sind?

    Folgt man der kritischen Lesart, muss man sich auf das Zeugnis einiger weniger Lesarten verlassen. Von den über 5000 Handschriften des Neuen Testamentes, geben die kritische Lesart nur etwa 5 Majuskeln und einige wenige Minuskeln wieder. Um dennoch „der geoffenbart worden ist“ zu rechtfertigen, wurde angeführt, Vers 16 sei ein direktes Zitat aus einem Christushymnus. Dazu gibt es jedoch keinerlei Hinweise. Des weiteren ergibt die kritische Lesart einen Bruch und eine Anormalität der griechischen Grammatik, da „das“ –als Relativpronomen – ein vorausgehendes Bezugswort benötigt, auf das es sich bezieht. Es gibt zu dieser Formulierung keine Analogie oder Hinweise in anderen grammatikalischen Verwendungen von Pronomen. Die Formulierung im Deutschen ist genauso abwegig, wie es im Griechischen ist. Zudem ist „Geheimnis“ Neutrum, „Gottseligkeit“ ist eine Femininform und „der“ ist ein Maskulin. Es gibt keinen syntaktischen Bezug zueinander und auch ein anderes Bezugswort für das Pronomen fehlt. Da es im neutestamentlichen Text zu dieser Abnormalität keine Parallele gibt, ist sie abzulehnen.

    Um dennoch die Lesart "der/welcher geoffenbart worden ist" zu rechtfertigen, wurde angeführt Vers 16 sei ein direktes Zitiat aus einem Christushymnus. Dazu gibt es jedoch keinerlei Hinweise oder Anlass. Des
    Weiteren ergibt die Lesart "welcher" bzw "der" anstatt "Gott" einen Bruch und eine Anormalität der griechischen Grammatik, da hos - als Relativpronomen - ein vorausgehende Bezugswort benötigt, auf das es sich bezieht. Es gibt zu dieser Formulierung keine Analogie oder Hinweise in anderen grammatikalischen Verwendungen von Pronomen. Die Formulierung ("Und groß ist - das ist übereinstimmendes Bekenntnis - das Geheimnis der rechten Ehrfurcht; welcher geoffenbart wurde im Fleisch...") ist im Deutschen genauso seltsam und grammatisch unrichtig, wie sie es im Grieschichen ist. Zudem ist "Geheimnis" neutrum, "Ehrfurcht" ist im Griechischen eine Femininform, hos jedoch maskulin. Es gibt keinen syntaktischen Bezug zueinander und auch ein anderes Bezugswort für das Pronomen fehlt. Im neutestamentlichen Griechisch gibt es zu dieser Abnormalität keine Parallele.


    Meines Wissens sind die "theos"-Referenzen weit zahlreicher, habt Ihr evtl. entsprechende Quellen oder Du, Peter, evtl. einen Hinweis T&T? Gibt es zudem wirklich keine Hinweise auf "theos" i.V. mit 1.Johannes 3:16 z.B. bei den Kirchenvätern?

    Noch einige Links, die hilfreich sein können in englicher Sprache:
    hier (1 Timothy 3:16 as cited by Church Fathers)
    hier (1 Tim. 3:16 By Martin A. Shue)

    Herzliche Grüße,
    Oliver