Buchvorstellung: Sei getreu bis in den Tod

  • Ein paar kurze Zeugnisse aus dem Buch:

    Fye und Gelken zu Leeuwarden, im Jahr 1549

    Im Jahr 1549, ungefähr drei Wochen vor Ostern, sind in Boon in Westfriesland zwei liebe Männer namens Fye und Gelken gefangen genommen worden. Diese wurden vor die Herren gebracht, wo sie ihren Glauben ohne Furcht bekannt haben. Zuerst fragten sie Gelken: Wer hat dir erlaubt, das Volk zu versammeln und zu lehren? Antwort: Gott hat es mir erlaubt. Frage: Was hast du denn gelehrt? Antwort: Frage diejenigen, die es gehört haben, was wir untereinander gelehrt haben, denn ihr habt ja eine Frau gefangen, die solches gehört hat. Hierauf haben sie die Frau gefragt, was sie von Gelken gehört hätte. Antwort: Er hat die vier Evangelien gelesen, die Sendbriefe des Paulus, Petrus, Johannes und die Geschichte der Apostel. Hierauf wurde Gelken abermals gefragt: Was hältst du von dem Sakrament? Antwort: Ich weiß nichts von eurem gebackenen Gott. Frage: Freund, sieh dich wohl vor, was du redest, denn solche Worte kosten den Hals. Was hältst du von der Mutter Gottes? Antwort: Vieles. Frage: Was sagst du, hat der Sohn Gottes kein Fleisch und Blut von Maria empfangen? Antwort: Nein, ich glaube das, was der Sohn Gottes hiervon selbst bezeugt. Frage: Was hältst du von unserer heiligen römischen Kirche? Antwort: Ich weiß nichts von deiner heiligen Kirche, auch kenne ich sie nicht, ich bin, solange ich lebe, noch in keiner heiligen Kirche gewesen. Frage: Du redest sehr trotzig. Ich habe Mitleiden mit dir, sagte ein Ratsherr, und fürchte, es möchte dich den Hals kosten. Bist du getauft? Antwort: Ich bin nicht getauft, aber es verlangt mich sehr nach der Taufe. Frage: Was hältst du von den falschen Lehrern, die umherlaufen und das Volk taufen? Antwort: Von den falschen Lehrern halte ich nichts, aber mich hat sehr verlangt, einen Lehrer zu hören, welcher von Gott gesandt ist. Sie sagten: Wir haben aber doch gehört, dass du ein Lehrer gewesen seist. Gelken sagte: Wer hat mich zum Lehrer gesetzt? Sie sagten: Wir wissen es nicht. Gelken sagte: Fragt ihr mich, was ihr nicht wisst, wie sollte ich es wissen? Ich weiß niemand, der mich zum Lehrer verordnet hat. Gott aber hat mir alles gegeben, worum ich Ihn gebeten habe. Sie sagten: Nun haben wir alle Artikel aufgeschrieben, worüber wir dich für dieses Mal haben verhören wollen. Wenn nun etwas darin ist, was dich gereut, so wollen wir solches gerne auslöschen. Antwort: Meint ihr, dass ich Gott verleugnen werde? Darauf haben beide Gelken und Fye ihr Urteil empfangen und sind zusammengebracht worden, wo sie sich umarmt, ja, einander mit großer Liebe Hände und Füße geküsst haben, sodass alle Menschen, die solches sahen und hörten, sich darüber verwunderten; die Büttel und Knechte liefen und sagten zu den Herren, es haben noch niemals Menschen einander so lieb gehabt wie diese. Gelken sagte zu Fye: Lieber Bruder! Nimm es mir nicht übel, dass du durch mich in dieses Leiden gekommen bist. Fye antwortete: Lieber Bruder, denke daran nicht, denn es ist eine Kraft Gottes.

    Nach dem Urteil wurden sie noch bis an den dritten Tag verspart und hiernächst ist Gelken zuerst mit dem Schwert hingerichtet worden. Als dem Fye das Urteil vorgelesen wurde, hat er vor Freuden nicht darauf Achtung gegeben, wiewohl er dessen unkundig war, was mit Gelken geschehen war oder noch geschehen sollte, sondern er sang und sprang, lobte Gott, dankte ihm und sprach: Dies ist der einzige Weg. Darauf haben sie Fye in das Schiff geführt, in welchem Gelken enthauptet lag und in welchem sich auch das Rad befand, worauf man Gelken setzen sollte, sowie auch der Pfahl, woran Fye stehen sollte, um verbrannt zu werden; auch wurden dem Fye im Schiff die Hände losgebunden, gleichwohl saß er still. Da sagten die Mönche: Bindet ihn wieder. Der Scharfrichter sagte: Bindet ihr ihn; aber der Schlossvogt gebot, dass er Fye wieder binden sollte. Einige Weiber, die solches ansahen, weinten sehr; da sprach Fye: Weint nicht über mich, sondern über eure Sünden.

    Ferner sagte er zum Scharfrichter: Was willst du mir tun? Antwort: Das wirst du wohl sehen. Ja, ja, sprach Fye, tue was du willst, ich habe mich in meines Herrn Hände übergeben. Die Brüder und das gemeine Volk gingen neben ihm. Als nun Fye unter denselben einige seiner Bekannten sah, rief er: Freunde, freut euch mit mir über solche Hochzeit, die mir bereitet ist. Als er auf den Galgenberg kam, redeten ihn einige Brüder an, die sich mit ihm sehr freuten und sagten: Dies ist der enge Weg; dies ist des Herrn Weinkelter, hieran hängt die Krone. Als der Schlossvogt das Rufen hörte, rief er: Niemand lege Hand an diesen bei Verlust seines Lebens und seiner Güter. Der Scharfrichter hatte sein Werkzeug vergessen und lief in die Stadt, solches zu holen. Unterdessen hatten der Schlossvogt und die beiden Mönche den Fye im Beichthäuslein und quälten ihn sehr mit Brot und Wein; aber sie gewannen ihm nichts ab, denn Fye tat nichts anderes, als dass er sang, redete, Gott lobte und ihm dankte. Als sie ihm nichts abgewinnen konnten und der Scharfrichter wieder kam, sagten sie zu Fye: Wie bist du so hartnäckig, während du doch sagst, dass du ein Mitglied Jesu Christi seist? Warum willst du denn nicht die Werke der Barmherzigkeit tun und dieses Brot und diesen Wein um unseretwillen für Brot und Wein annehmen? Antwort: Mir verlangt nicht nach eurem Wein, denn mir ist eine Speise im Himmel zubereitet. Als sie ihm nichts abgewinnen konnten, sprachen sie: Fort mit dir, du Ketzer. Der Landvogt sagt: Ich habe zwar manchen Ketzer gesehen, aber mein Leben lang keinen härteren als diesen. Als nun Fye zum Tod fertig stand, sprach er zum Scharfrichter: Meister, hast du dein Werk verrichtet? Er antwortete: Noch nicht. Fye sprach: Ja, hier ist das Schaf, womit ihr umgeht. Hierauf ging der Scharfrichter zu ihm, riss ihm das Hemd auf, nahm die Kappe von seinem Haupt und füllte sie mit Schießpulver. Als nun Fye an dem Pfahl stand, woran er erwürgt werden sollte, rief er: O Herr, nimm deinen Knecht auf! Darauf ist er erwürgt und verbrannt worden, und ist so im Herrn entschlafen. Das gemeine Volk rief: Dieser war ein frommer Mann; ist er kein Christ, so gibt es keinen in der ganzen Welt.
  • Esaja, empfange dein Testament

    Höre, mein Sohn, die Unterweisung deiner Mutter, öffne deine Ohren, um die Reden meines Mundes zu hören. Siehe, heute gehe ich den Weg der Propheten, Apostel und Märtyrer, um den Kelch zu trinken, den sie alle getrunken haben; ich gehe den Weg, sage ich, den Christus Jesus, das ewige Wort des Vaters, voller Gnade und Wahrheit, der Hirte der Schafe, der das Leben selbst ist, in seiner eigenen Person und nicht durch einen andern gewandelt ist, und diesen Kelch auch hat trinken müssen, gleichwie er sagte: »Ich muss einen Kelch trinken und mich noch taufen lassen mit einer Taufe, und wie ist mir so bange, bis die Stunde vollendet ist.« Nachdem er nun durchgegangen ist, ruft er seine Schafe, und seine Schafe hören seine Stimme und folgen ihm nach, wo er hingeht; denn dieses ist der Weg zu der rechten Quelle. Diesen Weg sind die königlichen Priester durchgegangen, welche vom Aufgang der Sonne kamen, wie in der Offenbarung steht, und in die ewigen Zeiten eingegangen sind, und auch diesen Kelch haben trinken müssen.

    Diesen Weg haben die Toten betreten, welche unter dem Altar liegen, rufen und sagen: »Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger! Wie lange richtest du und rächst nicht unser Blut an denen, die auf Erden wohnen? Und ihnen wurde einem jeden ein weißes Kleid gegeben, und es wurde zu ihnen gesagt, dass sie noch eine kleine Zeit ruhten, bis dass ihre Mitknechte und Brüder noch hinzukämen, die auch noch um des Zeugnisses Jesu willen getötet werden sollten.« Diese haben auch den Kelch getrunken und sind hinaufgewandert, um den ewigen heiligen Sabbat des Herrn zu halten. Dieses ist der Weg, welchen die vierundzwanzig Ältesten gewandelt sind, die vor dem Stuhl Gottes stehen und ihre Kronen und Harfen vor den Stuhl des Lammes werfen, auf ihr Angesicht fallen und sagen: »Herr! Dir allein sei Preis, Herrlichkeit, Kraft und Stärke, der du das Blut deiner Knechte und Diener rächen und selbst den Sieg davon tragen wirst. Groß sei dein Name, Allmächtiger, der du warst, bist und kommen wirst.«
    Diesen Weg sind auch die Gezeichneten des Herrn gewandelt, welche das Zeichen »Thaw« an ihrer Stirn empfangen haben, die aus allen Geschlechtern der Menschen erwählt sind, die mit Weibern nicht befleckt sind (verstehe dieses) und dem Lamm nachfolgen, wohin es auch geht.

    Siehe, alle diese haben den Kelch der Bitterkeit trinken müssen, gleichwie auch alle diejenigen, die noch mangeln an der Zahl und der Erfüllung Zions, als der Braut des Lammes, welche das neue Jerusalem ist, die von oben vom Himmel herabsteigt, eine Wohnstätte und ein Thron Gottes, in welchem die Herrlichkeit des großen Königs gesehen werden wird, zur Zeit wenn man das hochzeitliche Laubhüttenfest halten und feiern wird, in den Tagen der ewigen Ruhe und Freude.

    Siehe, diese alle haben nicht dazu gelangen können, ohne dass sie zuerst das Gericht und die Strafe an ihrem Fleisch ertragen hätten; denn Christus Jesus, die ewige Wahrheit, ist der Erste gewesen, wie geschrieben steht: Das Lamm, das da von Anfang erwürgt war. Hierauf kommt Paulus und sagt: »So hat es dem Vater gefallen, dass alle, welche er von Ewigkeit ersehen hat, die hat er auch berufen, erwählt, gerechtfertigt und sie dem Bild seines Sohnes gleichförmig gemacht.« Auch spricht unser gesegneter Seligmacher: »Der Knecht ist nicht besser als sein Herr, sondern es ist ihm genug, dass er seinem Herrn und Meister gleich sei.« So bezeugt auch Petrus, wenn er sagt: »Es ist Zeit, dass das Gericht anfange am Haus Gottes; wenn aber zuerst an uns, was will es für ein Ende werden mit denen, die dem Evangelium Gottes nicht glauben? Und wenn der Gerechte kaum erhalten wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen?« Ferner steht Spr 11,31: »Wenn der Gerechte auf Erden leiden muss, wie viel mehr der Gottlose und Sünder?« Siehe, mein Sohn, hier hörst du, dass niemand zum Leben kommt, als durch diesen Weg. Darum gehe ein durch die enge Pforte, und nimm des Herrn Züchtigung und Unterweisung an, und beuge deine Schultern unter sein Joch und trage es wohlgemut von deiner Jugend an, und danke darum mit großer Ehre und Freude; denn er empfängt und nimmt keinen Sohn auf, den er nicht züchtigt. Ferner sagt Paulus: »Wenn ihr ohne Züchtigung seid, welcher sie alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr Bastarde und nicht Kinder, und sollt aus dem Erbteil der Kinder Gottes ausgestoßen werden.«

    Wenn du nun Lust und Begierde hast, in die heilige Welt und in das Erbteil der Heiligen einzugehen, so umgürte deine Lenden und wandle ihnen nach; forsche in der Schrift, und sie wird dir Unterricht von ihren Gängen geben. Als der Engel mit dem Propheten redete, hat er gesagt: »Es ist eine Stadt, voll von allerlei Gütern, ihr Eingang aber ist eines Menschen Fußsteig breit, auf der einen Seite steht ein Feuer, und an der andern Seite ein großes Wasser.« Wie kannst du nun die Stadt zum Erbteil empfangen? Du musst erst die Enge durchwandeln. Siehe, mein Sohn! Dieser Weg leidet keinen Weichen, da sind keine krummen Abwege, welche zur Linken oder zur Rechten abweichen, deren Erbteil ist der Tod. Siehe, dieses ist der Weg, welchen wenig Menschen finden und noch viel weniger wandeln, denn es sind einige, welche noch wohl erkennen, dass dieses der Weg zum Leben sei, aber er ist ihnen zu scharf und verursacht ihrem Fleisch Schmerzen.

    Darum, mein Kind, sieh nicht auf die große Menge und wandle nicht auf ihren Wegen; wehre deinem Fuß vor ihrem Pfad, denn sie gehen der Hölle zu, gleichwie Schafe zum Tode; gleichwie Jesaia berichtet, wenn er sagt: »Die Hölle hat den Rachen weit aufgetan, dass beide hinunterfahren, ihre Herrlichen und Pöbel. Es ist ein unverständiges Volk, darum wird sich auch der ihrer nicht erbarmen, der sie geschaffen hat.« Wenn du aber hörst, wo ein armes, schlechtes und verstoßenes Häuflein sei, welches von der Welt verachtet und verworfen ist, zu demselben halte dich. Und wo du vom Kreuz hörst, da ist Christus; demselben entzieh dich nicht. Fliehe den Schatten dieser Welt, halte dich zu Gott und fürchte ihn allein; bewahre seine Gebote, behalte alle seine Worte, dass du danach tust; schreibe sie auf die Tafel deines Herzens, binde sie auf deine Stirn, rede von seinen Rechten Tag und Nacht, so wirst du ein lieblicher Baum und ein Zweig im Garten deines Herrn und eine angenehme Pflanze sein, welche in Zion aufwächst; nenne die Furcht des Herrn deinen Vater, so wird die Weisheit die Mutter deines Verstandes sein. Wenn du dieses weißt, mein Sohn, so bist du selig, wenn du es tust. Halte das, was dir der Herr gebietet, und heilige deinen Leib zu seinem Dienst, damit sein Name in dir geheiligt, gepriesen, verherrlicht und groß gemacht werde. Schäme dich nicht, ihn vor den Menschen zu bekennen, fürchte dich nicht vor den Menschen, lasse lieber dein Leben, ehe du von der Wahrheit weichen wolltest, und wenn du deinen Leib, der aus Erde gemacht ist, verlieren wirst, so hat der Herr, dein Gott, dir einen besseren im Himmel bereitet.

    Darum, mein Kind, streite für die Gerechtigkeit bis an den Tod; waffne dich mit der Waffenrüstung Gottes. Sei ein frommer Israelit, tritt alle Ungerechtigkeit, die Welt und alles, was darinnen ist, mit Füßen, und liebe das allein, was droben ist; bedenke, dass du nicht von dieser Welt bist, gleichwie dein Herr und Meister auch nicht davon gewesen ist; sei ein treuer Jünger Christi, denn es ist niemand tüchtig zu bitten, als der sein Jünger geworden ist, und eher nicht. Diejenigen, welche gesagt haben, wir haben alles verlassen, sagten auch, lehre uns beten; sie sind es auch gewesen, für welche der Herr gebetet hat, und nicht für die Welt; denn wenn die Welt betet, so ruft sie ihren Vater, den Teufel, an und begehrt, dass sein Wille geschehe, wie sie auch tut. Darum, mein Sohn, werde ihr nicht gleich, sondern scheue dich vor ihr und fliehe sie, und habe mit ihr weder Teil noch Gemeinschaft; achte dasjenige nicht, was vor Augen ist, suche allein was droben ist. O mein Kind, sei meiner Ermahnung eingedenk und verlasse dieselbe nicht. Der Herr lasse dich in seiner Furcht aufwachsen und erfülle deinen Verstand mit seinem Geist; heilige dich dem Herrn, mein Sohn! Heilige deinen ganzen Wandel mit der Furcht deines Gottes. In allem, was du tust, verherrliche seinen Namen. Ehre den Herrn mit den Werken deiner Hände, lass das Licht des Evangeliums an dir hervorleuchten. Liebe deinen Nächsten; brich dem Hungrigen dein Brot mit brünstigem und feurigem Herzen; kleide die Nackten und zögere nicht, damit nicht etwas zweifach bei dir ist; denn es gibt immer solche, welche daran Mangel haben. Alles, was dir der Herr von dem Schweiß deines Angesichts über deine Notdurft beschert, teile denen aus, von welchen du weißt, dass sie den Herrn fürchten, und lass nichts bei dir bleiben bis an den Morgen, so wird der Herr deiner Hände Werk segnen und seinen Segen dir zum Erbe geben. O mein Sohn! Führe deinen Wandel dem Evangelium gemäß, und der Gott des Friedens heilige dich an Seele und Leib zu seinem Preis. Amen.

    O heiliger Vater, heilige den Sohn deiner Dienstmagd in deiner Wahrheit und bewahre ihn vor dem Argen, um deines Namens willen, o Herr!

    Nachher hat sie dieses mit ihrem Blut versiegelt und ist so als eine fromme Heldin und Nachfolgerin Jesu Christi auch mit unter die Zahl der aufgeopferten Zeugen Gottes gekommen.
  • Zeugnis des Henrich Alewynß an der Folterbank

    Sehr werte Beamte, Rechtsverwalter und alle meine Herren, die ihr, in des Königs Namen und Gewalt, meine Richter, Gerichtsherren, Verhörer hier zugegen seid, hört mich verurteilten Henrich Alewynß, welcher hier gegenwärtig bereit ist, sich nach eurem Urteil foltern zu lassen; seht, ich finde mich dazu gedrungen und werde dazu angetrieben, es nicht zu versäumen, euch Nachricht und Botschaft von allem zu geben, worin ihr euch an mir und meinesgleichen vergriffen habt, die wir böser Taten unschuldig sind und keine Strafe verdient haben.

    Zunächst sei euch klar, heilig und schriftgemäß bewiesen, angekündigt und erklärt, dass unsere oder meine Sachen weder Missetat noch strafbare Dinge sind, sondern ein Recht Gottes und Sachen des Glaubens und des Geistes; darum müssen sie auch allein geistig und im Geist verhört und beurteilt werden, denn ein natürlicher Mensch kann es nicht begreifen, es ist ihm eine Torheit. Diesem denkt frei und gründlich nach.

    Ferner lasse ich euch wissen, dass ein Christ mit den Stücken des Glaubens und der Schrift ausgerüstet sein muss; darum soll er weder wegen Aufruhrs, noch wegen fleischlicher Werke berüchtigt sein, wie ich denn auch nicht bin; darum sei Gott gelobt, dass ich nicht unter der Strafe der Gerechtigkeit, sondern unter ihrem Schutz, Schirm und Preis stehe; auch sei euch gesagt, dass der Mensch Gottes, der so einfältig nach Gottes Reich, Ehre und Lob strebt, eurer Gerechtigkeit nicht unterworfen ist in Sachen, welche die Lehre und den Gottesdienst betreffen; hiervon habt ihr Unterricht und Beispiele genug, aber in guten Werken muss die Obrigkeit bereit stehen. Den Richtern ist die Macht von Gott gegeben, allein den Bösen zur Strafe, zum Lob den Guten und zum Schutz denen, die Gutes tun; den Unschuldigen und Frommen sollst du nicht töten.

    Endlich sei euch kund und zu wissen getan, mit dem Zeugnis der heiligen Schrift, und das in Liebe und sanftmütigem Geist, die große Missetat der Tyrannen, die sich in diesem Stück an den Unschuldigen Gottes in seinem Volk vergreifen, in Gottes Augapfel tasten, ja, wider Gott streiten, und wider den Stachel Gottes löcken; desgleichen euer gewisses Wehe, und welche Beschwernis euch in der zukünftigen Zeit treffen wird, wenn unser Herr und gerechter Fürst zu Gericht sitzen und alle eure Gewalt von euch nehmen wird, wie Judith geschrieben steht: »Wehe den Heiden, die mein Volk verfolgen, denn der allmächtige Herr rächt sie, und sucht sie heim zur Zeit der Rache. Er wird ihren Leib plagen mit Feuer und Würmern, und sie werden brennen und heulen in Ewigkeit; sie werden nicht auferstehen zum ewigen Leben; Gott wird ihrer nicht schonen. Sie werden seufzen, erschrecken und sich verwundern über die Kinder Gottes, wenn sie in ihrer Herrlichkeit erscheinen und sagen werden: Diese sind es, die wir geängstigt, unterdrückt, und als rasende Irrgeister ihrer Ehre, Güter und Lebens beraubt haben.« Und ferner: »Der Gottlose drängt den Gerechten; er zieht sein Schwert aus, er spannt seinen Bogen; aber der Herr lacht über ihn, denn er sieht, dass sein Tag kommt; er hilft dem Elenden und Armen. Er schlägt den Frommen; aber sein Schwert wird in sein Herz gehen und sein Bogen wird zerbrechen.«

    Christus selbst bedroht, straft und verdammt solche, die sich am Blut verschuldet haben, und sagt: »Wie werdet ihr der höllischen Verdammnis entfliehen?« Desgleichen straft sie auch der heilige Jakobus und wehklagt jämmerlich, dass sie den Gerechten verurteilt und getötet haben, der ihnen doch nicht widerstand. Es steht im Jesaja nicht umsonst geschrieben: »Wehe aber dir, du Zerstörer! Meinst du, du werdest nicht verstört werden? Und du, Verächter! Meinst du, man werde dich nicht verachten? Wenn du des Verstörens und Verachtens ein Ende gemacht hast, dann wirst du auch verstört und verachtet werden, spricht der Herr.« Darum, meine Herren, denkt der Sache gründlich im Herzen nach (denn ich habe es nicht geschrieben). Seid mit Gamaliel freundlich gewarnt, von mir schwachem Menschen, wiewohl ich doch ein Zeuge bin von Gottes Wort und Wahrheit.

    Diese Rache Gottes hat der grausame König und großmächtige Tyrann verstanden und gefühlt, dass es schwer sei, dem Volk Gottes beizukommen, um der Hilfe ihres Gottes willen, dessen Rache niemand entgehen kann oder mag, der seinem Volk irgendein Unrecht antut. Diesen Sinn ließ er eilends allen seinen Landvögten kundtun: Lasst ab von diesem Volk. Diesen Unterricht und diese Warnung des weisen Achior wollte Holofernes weder verstehen, noch glauben.

    Meine Herren, haltet mir diese meine Zugeneigtheit zu euch zugute; ich habe euch dies nicht geschrieben, um mich dadurch von dem gefällten Urteil zu befreien, was bei euch nicht gebräuchlich ist, auch nicht in eurer Macht steht, solange ihr der Welt und des Königs Freunde bleibt, die ihr doch bleiben wollt; ich bitte demnach, gnädig mit mir zu verfahren, doch so, dass euer Urteil seinen vollen Lauf haben möge und ihr es bei Hofe verantworten könnt; es ist doch besser, dass ich leide, als ihr; denn ich weiß, warum ich leide, ich leide um des guten Gewissens willen zu Gott, und bin gewiss, dass ich Gnade bei Gott finde, und bin des Leidens Christi teilhaftig; man peinigt mich, dass ich wider das hohe Gebot der Liebe reden soll; aber die Liebe tut nichts Arges; die Liebe leidet alles, sie erträgt alles, sie lässt sich nichts verdrießen. Ach, meine Herren! Überlegt, ob dem nicht so sei. Der Böse kann und mag euch wohl was weismachen mit Lügen und nein sagen, wenn es ja ist, oder ja sagen, wenn es nein ist; wir aber sagen im Leiden und mit wahren Worten: Erbarmt euch über diese, wie ihr wollt, dass auch euch geschehe, wenn mein Richter kommen wird, da es euch dann bange werden und Hilfe nötig sein wird. Gott vergebe euch alles Leid, das ihr mir angetan habt, wie ich es euch vergebe, und wie ich will, dass mir geschehe, um aller meiner Sünden willen, Amen.

    O du weiser Rat Gamaliels! Wo hört man dich jetzt? Daran erkennt man, welches die Kinder Gottes und welche des Teufels sind; wer nicht recht tut, ist nicht von Gott. Die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt, und viele sind es, die darauf wandeln.
  • Hier folgt das Inhaltsverzeichnis:

    1 Geleitwort 7

    2 Verhöre, Disputationen, Gerichtsverhandlungen 9
    2.1 Michael Sattler, 1527 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
    2.2 Jan Wouterß an seinen Schwager und seine Schwester . . 14
    2.3 Adrian Cornelius’ Bekenntnis vor der Obrigkeit. . . . . . 24
    2.4 Jaques d’Auchis Bekenntnis . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
    2.5 Bekenntnis einer Frau, genannt Claesken, im Jahr 1559 . 79
    2.6 Hans von Oberdam wird zu Gent im Jahr 1550 getötet . . 84
    2.7 Disputation zw. Jacob Kerzengießer und Bruder Cornelius 98
    2.8 Bekenntnis von Joos Kind, im Jahr 1553 . . . . . . . . . . 122
    2.9 Noch ein Bekenntnis von Joos Kind zum Preis des Vaters 128
    2.10 Weynken von Monickendam, im Jahr 1527 . . . . . . . . . 134
    2.11 Andreas Samuel und Dirk Pieterß, im Jahr 1546 . . . . . . 138
    2.12 Jannyn Bueskyn, im Jahr 1550 . . . . . . . . . . . . . . . . 141
    2.13 Jakobus Dosie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 143
    2.14 Bekenntnis des Claes de Praet, im Jahr 1556 . . . . . . . . 147
    2.15 Bekenntnis des Hans de Vette, im Jahr 1559 . . . . . . . . 161
    2.16 Zeugnis des Henrich Alewynß an der Folterbank . . . . . 168
    2.17 Brief von Joost Verkindert . . . . . . . . . . . . . . . . . . 170
    2.18 Hans Brael, im Jahr 1557 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177

    3 Abschiedsbriefe, Testamente 185
    3.1 Brief von Janneken Munstdorps eigener Hand . . . . . . 185
    3.2 Esaja, empfange dein Testament . . . . . . . . . . . . . . . 189
    3.3 Dirk Pieterß Samuel an seine Hausfrau . . . . . . . . . . . 192
    3.4 Testament von Georg Simonß an seinen Sohn Simon . . . 194
    3.5 Testament des Leonhard Ploviers an seine Kinder . . . . 198
    3.6 Testament von Soetgen von der Houte an ihre Kinder . . 201
    3.7 Testament der Maeyken Boosers an ihre Kinder . . . . . . 210
    3.8 Testament von Jan Gerritß . . . . . . . . . . . . . . . . . . 211
    3.9 Väterlicher Abschied von Henrich Alewynß . . . . . . . . 214
    3.10 Testament von Bartholomäus Panten an sein Töchterlein 230
    3.11 Testament von Joost Zöllner an seine Tochter . . . . . . . 234
    3.12 Testament von Maeyken von Deventer für ihre Kinder . . 245

    4 Hinrichtungen 251
    4.1 Fye und Gelken zu Leeuwarden, im Jahr 1549 . . . . . . 251
    4.2 Thomas Han, im Jahr 1592 . . . . . . . . . . . . . . . . . 253
    4.3 Hans Blietel, im Jahr 1545 . . . . . . . . . . . . . . . . . 255
    4.4 Johann Nicolaus und Lucas Lambertß von Beveren . . 257
    4.5 Hans Misel, im Jahr 1571 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 259
    4.6 Wolfgang Raufer, Georg Prukmair und Hans Aicher . . 261
    4.7 Felistis Jans zu Amsterdam verbrannt . . . . . . . . . . 264
    4.8 Elisabeth und Hadewyk, im Jahr 1549 . . . . . . . . . . 266
    4.9 Hans Schmid und weitere, im Jahr 1558 . . . . . . . . . 269
    4.10 Lorenz von der Walle und weitere, im Jahr 1561 . . . . 275
    4.11 Jelis Strings nebst Peter und Jelis Potvliet, im Jahr 1562 278
    4.12 Henrich Eemkens, im Jahr 1562 . . . . . . . . . . . . . . 280
    4.13 Jan der Schwarze und weitere, im Jahr 1563 . . . . . . . 282
    4.14 Christian Langedul und weitere, im Jahr 1567 . . . . . . 285
    4.15 Adrian Willemß, im Jahr 1568 . . . . . . . . . . . . . . . 287
    4.16 Jakob Dirkß und seine beiden Söhne, im Jahr 1568 . . . 289
    4.17 Dirk Willemß, 1569. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 290

    5 Sendbriefe an Bekannte und Geschwister im Herrn 293
    5.1 Michael Sattler an die Gemeinde in Horb . . . . . . . . . 293
    5.2 Brief von Walter von Stölwick, im Jahr 1541 . . . . . . . . 298
    5.3 Hendrik Verstralen an seine Brüder und Schwestern . . . 318
    5.4 Felix Mantz, im Jahr 1526 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 321
    5.5 Hans Schlaffer und Leonhard Fryk, im Jahr 1528 . . . . . 323
    5.6 Dirk Pieterß Samuel, im Jahr 1546 . . . . . . . . . . . . . . 325
    5.7 Hieronymus Segerß an sein Weib . . . . . . . . . . . . . . 330
    5.8 Ermahnung des Adrian Cornelius an die Freunde . . . . 337
    5.9 Peter von Olmen aus dem Gefängnis zu Gent . . . . . . . 344
    5.10 Thomas von Imbroek an sein Weib und seine Brüder . . . 348
    5.11 Brief von Jelis Strings an die Geschwister im Herrn . . . . 350
    5.12 Ermahnung von Georg Friesen aus dem Gefängnis . . . . 354
    5.13 Brief von Mr. Jelis Matthyß aus dem Gefängnis . . . . . . 357
    5.14 Brief von Jan Gerrits an den lutherischen Prediger . . . . 368
    5.15 Brief von Mattheiß Servaes an alle Brüder und Schwestern 377
    5.16 Brief von Hans Symonß an seine Ehefrau, im Jahr 1567 . 388
    5.17 Brief von Hans Symonß an seine Brüder und Schwestern 393
    5.18 Ermahnung des Valerius an die Gottlosen, im Jahr 1568 . 398
    5.19 Erbaulicher Brief und Ermahnung von Joost Verkindert . 410
  • Buchvorstellung: Sei getreu bis in den Tod

    Auf Anregen von Peter will ich hier das Buch Sei getreu bis in den Tod - Auswahl von Briefen, Zeugnissen und Verhören aus dem
    Märtyrerspiegel
    vorstellen. Das Buch kann man über den Samenkorn-Verlag beziehen (cvsamenkorn.de), oder aber kostenlos über mich (solange Vorrat reicht).

    Geleitwort

    Dieses Taschenbuch umfasst eine Anzahl von Zeugnissen christlicher Märtyrer, welche aus dem Märtyrerspiegel (Der vollständige Titel lautet "Der blutige Schauplatz oder Märtyrerspiegel der Taufgesinnten oder wehrlosen Christen, die um des Zeugnisses Jesu, ihres Seligmachers, willen gelitten haben und getötet worden sind, von Christi Zeit bis auf das Jahr 1600.") entnommen wurden.

    Der Märtyrerspiegel wurde erstmals 1660 von Thieleman Janz van Braght, einem Ältesten der Mennonitengemeinde in Dordrecht, in holländischer Sprache herausgegeben. In diesem Werk schildert van Braght das Schicksal christlicher Märtyrer, beginnend mit der Steinigung des Stephanus und vorerst endend mit Hans Landis, der 1614 in Zürich hingerichtet wurde.

    Neben den Zeugnissen der Märtyrer (Briefe, Gerichtsprotokolle, Hinrichtungen, ...) legt van Braght einen Schwerpunkt darauf, zu zeigen, dass sich die Gläubigentaufe über alle Jahrhunderte hinweg bei den rechtgläubigen Christen gehalten hat, im Gegensatz zur großen Masse, welche der Kindertaufe anhing.

    Im Jahr 1685 erschien eine zweite Edition des Märtyrerspiegels, welche unter anderem um Kupferstiche des niederländischen Künstlers Jan Luyken ergänzt wurde. Die erste Übersetzung ins Deutsche geschah in den Jahren 1745-1748 durch nach Nordamerika ausgewanderte deutschsprachige Mennoniten.

    Zurück zu diesem Buch: Wenn man den Märtyrerspiegel kennt, steht man oftmals vor dem Wunsch, diese kaum fassbaren Zeugnisse mit seinen Mitmenschen zu teilen. Leider war dies in der Vergangenheit nur schwer möglich, da der Märtyrerspiegel einerseits einen sehr großen Umfang von ca. 1300 Seiten hat, andererseits schwierig zu bekommen und zudem in Fraktur gedruckt war.

    Abhilfe soll nun dieses Taschenbuch schaffen, welches eine Auswahl von Zeugnissen beinhaltet und somit in komprimierter und kostengünstiger Form zur weiteren Verbreitung beitragen soll, nicht nur zur Erbauung von Gläubigen, sondern auch zu evangelistischen Zwecken.

    Wenn Gott es gefällt, möge er nun dieses Buch nutzen um Segen zu schaffen in dieser argen Welt.

    Hinweis: Aktuell wird vom Samenkorn Verlag in Zusammenarbeit mit der Mennonitischen Forschungsstelle Bolanden und anderen an einer Neuauflage des (gesamten) Märtyrerspiegels gearbeitet. In der Vergangenheit musste der Märtyrerspiegel immer aus den USA importiert werden und war oftmals nur schwer zu bekommen.

    Die Neuauflage soll sprachlich an das heutige Deutsch angepasst werden und Nachdrucke der Kupferstiche von Jan Luyk enthalten, die in der zweiten Edition des Märtyrerspiegels enthalten waren. Die Neuauflage ist für 2017 geplant.